Dr. Matthias Miersch zu Gast: Reformen, Wirtschaft und Verantwortung im Fokus
Wie gelingt es, den Wirtschaftsstandort Deutschland wieder wettbewerbsfähiger zu machen? Welche Reformen braucht es – und wo stehen Politik und Wirtschaft gleichermaßen in der Verantwortung? Diese Fragen standen im Mittelpunkt eines intensiven Dialogs zwischen den Unternehmer Hildesheim und dem Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion, Dr. Matthias Miersch, im Haus der Industrie.
Mit Dr. Matthias Miersch war einer der derzeit einflussreichsten politischen Akteure der Bundespolitik zu Gast in Hildesheim. Als Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion kommt ihm eine Schlüsselrolle bei der politischen Arbeit der Bundesregierung zu. Gerade in einer Phase, in der die Regierungskoalition wichtige Reformvorhaben auf den Weg bringt und ihre Handlungsfähigkeit unter Beweis stellen muss, zählt Miersch zu den prägenden Persönlichkeiten des politischen Berlin.
Nach der Begrüßung durch den Vorstandsvorsitzenden der Unternehmer Hildesheim, Matthias Mehler, moderierte Domenik Schmid die rund 90-minütige Diskussion. Schnell entwickelte sich ein offener Austausch, bei dem zahlreiche Unternehmerinnen und Unternehmer ihre Erfahrungen aus der betrieblichen Praxis schilderten und konkrete Erwartungen an die Bundespolitik formulierten.
Ein zentrales Thema war der dritte Autobahnanschluss für den Gewerbepark Hildesheim-Giesen. Matthias Mehler machte deutlich, dass das Projekt seit vielen Jahren auf Umsetzung wartet und langwierige Planungs- und Genehmigungsverfahren den Wirtschaftsstandort ausbremsen. Unterstützung erhielt er von Christian Grell, Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft Gewerbepark Hildesheim-Giesen (GHG). Grell machte deutlich, dass die Nachfrage nach Gewerbeflächen weiterhin hoch sei und regelmäßig Unternehmen Interesse an einer Ansiedlung in Hildesheim bekundeten. Mit einer verbesserten Verkehrsanbindung, so seine Einschätzung, könnten tausende zusätzliche Arbeitsplätze entstehen. Dr. Matthias Miersch verwies auf die geplanten Beschleunigungen bei Infrastruktur- und Planungsverfahren durch die Bundesregierung und betonte, dass Deutschland insgesamt schneller werden müsse – nicht nur bei Verkehrsprojekten.
Auch die Situation im Gesundheits- und Pflegebereich wurde intensiv diskutiert. Markus Dolatka, Geschäftsführer der BWSG Beratungs- und Wirtschaftsservicegesellschaft für Pflege- und Gesundheitseinrichtungen, schilderte die Auswirkungen des neuen Beitragsstabilisierungsgesetzes auf ambulante Pflegedienste und machte auf die wirtschaftlichen Herausforderungen der Branche aufmerksam. Miersch räumte ein, dass insbesondere im Gesundheitswesen weiterer struktureller Reformbedarf bestehe, und sagte zu, die vorgetragenen Hinweise in die politische Arbeit mitzunehmen.
Mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandortes Deutschland sprach Jürgen Schlote die hohen Energiekosten und die schwierigen Rahmenbedingungen insbesondere für die Industrie und ihre Zulieferer an. Aus seiner Sicht seien erste Reformschritte zwar erkennbar, reichten jedoch noch nicht aus, um die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu stärken. Miersch verwies in seiner Antwort auf notwendige Investitionen in die Transformation der Wirtschaft und bekräftigte seine Haltung, dass Deutschland langfristig auf erneuerbare Energien setzen müsse. Einer Rückkehr zur Kernenergie erteilte er erneut eine klare Absage.
Über die einzelnen Themen hinaus wurde deutlich, wie wertvoll der direkte Austausch zwischen Wirtschaft und Politik ist. Unterschiedliche Positionen wurden offen angesprochen, kontrovers diskutiert und sachlich eingeordnet. Gerade diese Form des Dialogs ist aus Sicht der Unternehmer Hildesheim ein wichtiger Beitrag zu einer lebendigen politischen Kultur.
Als Wirtschaftsverband verstehen sich die Unternehmer Hildesheim bewusst als Brückenbauer zwischen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Ziel ist es, den Mitgliedsunternehmen eine Plattform zu bieten, auf der sie ihre Erfahrungen, Erwartungen und Herausforderungen unmittelbar mit politischen Entscheidungsträgern diskutieren können – unabhängig von Parteizugehörigkeiten und stets auf Augenhöhe.
„Unsere Aufgabe ist es, Menschen zusammenzubringen und den Dialog zu ermöglichen. Wirtschaft und Politik müssen miteinander sprechen, wenn wir die großen Herausforderungen unseres Landes erfolgreich bewältigen wollen. Der Abend mit Dr. Matthias Miersch hat eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig und zugleich konstruktiv dieser Austausch sein kann – auch dann, wenn unterschiedliche Auffassungen vertreten werden“, betonte Vorstandsvorsitzender Matthias Mehler.
Die Veranstaltung machte einmal mehr deutlich: Unternehmer Hildesheim versteht sich nicht nur als Interessenvertretung seiner Mitgliedsunternehmen, sondern auch als Plattform für gesellschaftlichen und politischen Dialog. Mit hochrangigen Gästen aus Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik schafft der Verband regelmäßig Räume für Begegnungen, in denen aktuelle Herausforderungen offen diskutiert und gemeinsame Perspektiven entwickelt werden können.
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