Kommunalwahl 2026: Wirtschaft und Politik im Dialog über Hildesheims Zukunft
Wie schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass Hildesheim wirtschaftlich stark, lebenswert und zukunftsfähig bleibt? Darüber hat Unternehmer Hildesheim mit Vertretern der Ratsfraktionen diskutiert. Grundlage des Austauschs war unser Positionspapier „Aufbruch Hildesheim – Verantwortung übernehmen, Zukunft gestalten“. Im Mittelpunkt standen dabei weniger parteipolitische Unterschiede als die Frage, welche Rahmenbedingungen unsere Stadt jetzt braucht.
Im Vorfeld der Kommunalwahl hat Unternehmer Hildesheim Vertreter der Ratsfraktionen zu einer Podiumsdiskussion in die Bischofsmühle eingeladen. Dennis Münter (CDU), Michael Brinkop (SPD), Jens Schulte-Koch (Volt), Ralf Jürgens (Die Linke) und Michael Kriegel (FDP) stellten sich der Diskussion über Finanzen, Bildung, Infrastruktur und die wirtschaftliche Entwicklung Hildesheims.
Für Unternehmer Hildesheim ging es dabei um mehr als eine klassische Wahlkampfveranstaltung. Unser Anliegen war es, die Perspektive der Unternehmen in die politische Debatte einzubringen – und zugleich den direkten Austausch zwischen Wirtschaft und denjenigen zu fördern, die nach der Kommunalwahl Verantwortung für die weitere Entwicklung unserer Stadt tragen werden.
Die Perspektive der Wirtschaft in die Debatte bringen
Mit unserem Positionspapier „Aufbruch Hildesheim – Verantwortung übernehmen, Zukunft gestalten“ haben wir formuliert, wo aus Sicht der regionalen Wirtschaft Handlungsbedarf besteht. Denn wirtschaftliche Entwicklung entsteht nicht im luftleeren Raum. Unternehmen benötigen verlässliche Rahmenbedingungen, leistungsfähige Infrastruktur, gute Bildungsangebote, qualifizierte Fachkräfte und eine Verwaltung, die Entwicklung ermöglicht.
Gleichzeitig verfügt Hildesheim über erhebliche Stärken. Dazu zählen innovative Unternehmen, eine leistungsfähige Bildungs- und Forschungslandschaft und insbesondere auch eine starke Gesundheitswirtschaft. Diese Potenziale gilt es zu sichern und weiterzuentwickeln.
Genau darüber wollten wir mit der Politik sprechen.
Infrastruktur ist eine Investition in den Standort
Ein Schwerpunkt des Abends war die Verkehrsinfrastruktur. Besonders deutlich wurde dies beim seit Jahren diskutierten dritten Autobahnanschluss und der Entwicklung des Gewerbegebiets Hildesheim-Giesen.
Aus Sicht von Unternehmer Hildesheim ist der dritte Autobahnanschluss weit mehr als ein einzelnes Verkehrsprojekt. Er ist eine wichtige Voraussetzung dafür, neue Gewerbeflächen zu erschließen, Unternehmen Ansiedlungs- und Wachstumsperspektiven zu eröffnen und damit Arbeitsplätze und zusätzliche wirtschaftliche Wertschöpfung für die Region zu schaffen.
Zur Infrastruktur gehören für uns aber ebenso Straßen, Brücken, leistungsfähige Verkehrswege und eine verlässliche digitale Infrastruktur. Unterlassene Investitionen verschwinden nicht aus der Bilanz einer Stadt – sie werden lediglich in die Zukunft verschoben und sind später häufig umso kostspieliger.
Deshalb braucht Hildesheim eine langfristige Perspektive darauf, welche Infrastruktur eine wachsende und wirtschaftlich erfolgreiche Region benötigt.
Bildung ist Wirtschaftspolitik
Auch die Diskussion über die Zukunft der Hildesheimer Schulen hat gezeigt, wie eng kommunale Entscheidungen und wirtschaftliche Entwicklung miteinander verbunden sind.
Für uns ist Bildung eine der wichtigsten Ressourcen unserer Region. Investitionen in allgemein- und berufsbildende Schulen, Hochschulen, Berufsorientierung, praxisnahe Ausbildungsangebote und duale Studiengänge sind deshalb zugleich Investitionen in die Zukunft des Wirtschaftsstandorts.
Angesichts des demografischen Wandels und des zunehmenden Fachkräftemangels können wir es uns nicht leisten, Potenziale ungenutzt zu lassen. Entscheidend ist, jungen Menschen Perspektiven zu eröffnen, individuelle Stärken zu fördern und sie frühzeitig mit beruflichen Möglichkeiten in unserer Region vertraut zu machen.
Wirtschaftliche Stärke schafft Handlungsspielräume
Kontrovers diskutiert wurde auch die finanzielle Situation der Stadt. Dabei wurden unterschiedliche politische Vorstellungen deutlich – etwa bei der Frage nach kommunalen Einnahmen und Belastungen.
Aus Sicht der Wirtschaft gehört zu dieser Diskussion jedoch immer auch die andere Seite: Eine starke kommunale Wirtschaft schafft Arbeitsplätze, Einkommen und Steuereinnahmen. Erfolgreiche Unternehmen ermöglichen damit erst die finanziellen Handlungsspielräume, die eine Kommune für Bildung, Kultur, soziale Angebote und eine attraktive Stadtentwicklung benötigt.
Deshalb müssen wirtschaftsfreundliche Rahmenbedingungen und eine solide kommunale Finanzpolitik zusammengedacht werden.
Miteinander reden – und voneinander lernen
Vielleicht lag der wichtigste Wert des Abends gerade darin, dass die Diskussion trotz unterschiedlicher politischer Positionen überwiegend sachlich verlief.
Unternehmer Hildesheim versteht sich als Interessenvertretung der regionalen Wirtschaft – aber auch als Brückenbauer. Wir wollen den Austausch zwischen Unternehmen, Politik und Verwaltung intensivieren. Denn gegenseitiges Verständnis entsteht nur, wenn wir die jeweiligen Rahmenbedingungen und Entscheidungsprozesse kennen.
Politik muss verstehen, welche Konsequenzen Entscheidungen oder ausbleibende Investitionen für Unternehmen haben. Umgekehrt müssen auch Unternehmerinnen und Unternehmer nachvollziehen können, unter welchen rechtlichen, finanziellen und gesellschaftlichen Bedingungen kommunalpolitische Entscheidungen getroffen werden.
Diesen Dialog wollen wir weiterführen.
Verantwortung für Hildesheim gemeinsam übernehmen
Die Kommunalwahl entscheidet darüber, wer in den kommenden Jahren wichtige Weichen für Hildesheim stellt. Die wirtschaftlichen Herausforderungen werden dabei nicht kleiner: Transformation, Fachkräftemangel, Digitalisierung, Infrastruktur und die Sicherung unserer Standortqualität verlangen langfristige Entscheidungen.
Unternehmer Hildesheim wird deshalb auch über den Wahlkampf hinaus das Gespräch mit allen demokratischen Kräften suchen und die Perspektive der regionalen Wirtschaft konstruktiv einbringen.
Unser Positionspapier trägt nicht ohne Grund den Titel „Aufbruch Hildesheim – Verantwortung übernehmen, Zukunft gestalten“.
Denn die Zukunft unseres Standorts ist keine Aufgabe der Politik allein und ebenso wenig eine Aufgabe der Wirtschaft allein. Sie gelingt dann, wenn Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Gesellschaft bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam an den Voraussetzungen für ein starkes Hildesheim zu arbeiten.