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13. Oktober 2022

Ausbildungsumfrage 2022: Vorbereitung auf die Arbeitswelt muss deutlich verbessert werden

Stellen die Ergebnisse der Ausbildungsumfrage 2022 vor: Dr. Volker Schmidt (l.) und Olaf Brandes. Foto: Schaarschmidt

Zum Start des Ausbildungsjahrs 2022 konnte jeder fünfte Ausbildungsplatz nicht besetzt werden. Das hat eine Umfrage von NiedersachsenMetall und der bildungsnahen Stiftung NiedersachsenMetall unter mehr als 400 Unternehmen, vorwiegend aus der Industrie, ergeben. Als Gründe nannten die Betriebe vor allem nicht ausreichende Kompetenzen der Bewerber sowie insgesamt weniger Bewerbungen. Letzteres führen sie unter anderem darauf zurück, dass ein Studium oder der Verbleib im schulischen System für viele junge Menschen deutlich attraktiver wahrgenommen würde als eine Duale Ausbildung.

„Die Ergebnisse unserer Umfrage zeigen, dass die Ausbildung bei vielen jungen Menschen ein Image-Problem hat“, sagt Dr. Volker Schmidt, Hauptgeschäftsführer von NiedersachsenMetall. „Angesichts der Fachkräftelücke, die sich in vielen Betrieben bereits in Engpässen bemerkbar macht, muss jetzt schnellstmöglich gegengesteuert werden.“ Olaf Brandes, Geschäftsführer der Stiftung, sagt: „Wir brauchen größere Anstrengungen zur Verbesserung der Berufsorientierung an den Schulen. Da ist noch viel Luft nach oben.“

Vorstellung der Ausbildungsumfrage 2022

Ein Drittel der befragten Unternehmen ist der Meinung, dass Schülerinnen und Schüler nicht ausreichend über Ausbildungsberufe informiert sind. Und das, obwohl 88 Prozent der Unternehmen bereits Schülerpraktika anbieten und zwei Drittel auf Berufsbildungsmessen und Events wie der IdeenExpo präsent sind. Doch in der Kooperation mit Schulen ist für die Unternehmen noch deutlich mehr denkbar. Mehr als die Hälfte der Betriebe wünscht sich, Ausbilder und Azubis an die Schulen zu senden, um dort im Unterricht und an Berufsorientierungstagen über ihre Angebote zu informieren. „Die Unternehmen sind bereit, sich an Schulen stärker einzubringen. Die Politik muss dafür Freiräume an Schulen schaffen“, sagt Brandes.

 

Auf diese Weise könne man auch der zweiten Ursache begegnen, die rückläufige Bewerbungen auf Ausbildungsplätze zur Folge hat: dem Akademisierungstrend. Mehr als ein Drittel der Unternehmen hat festgestellt, dass für viele junge Menschen ein Studium einen höheren Stellenwert hat als eine Ausbildung. „An allen Schulformen muss daher verstärkt für die Ausbildung geworben und deutlich gemacht werden, dass eine Ausbildung mindestens genauso viele Vorzüge hat wie ein akademischer Abschluss“, sagt Brandes.

Doch die Umfrage ergab auch, dass die Hälfte der freien Ausbildungsplätze nicht besetzt werden konnte, weil die Kompetenzen der Bewerber nicht ausgereicht haben. Schon im März 2021 hatten NiedersachsenMetall und die Stiftung in den Unternehmen unter anderem nach der Qualität der Bewerber gefragt. Im Vergleich zeigt sich, dass diese seither weiter abgenommen hat. Stellten 2021 jeweils ein Drittel der Betriebe Defizite in der persönlichen Entwicklung und den Fachkentnissen im MINT-Bereich bei ihren Bewerbern fest, so beantworteten jetzt mehr als die Hälfte diese Fragen mit Ja. „Das ist zum einen noch immer eine Folge der monatelangen Schulschließungen mit Homeschooling und kaum persönlichen Kontakten“, sagt Olaf Brandes.

Zum anderen aber zeige sich gerade im Bereich der persönlichen Konpetenzen immer häufiger eine Haltung, die aus dem Wissen um die Begehrtheit auf dem Arbeitsmarkt resultiere. „Der zunehmende Kampf der Unternehmen um die immer weniger werdenden Fachkräfte verändert die Verhandlungsposition und damit auch die Ansprüche der jungen Generation“, so Brandes. Viele würden wählerischer und erwarteten von Seiten der Unternehmen mehr Entgegenkommen. Andererseits investierten sie weniger Mühe und ließen des Öfteren etwa Lernbereitschaft und Sorgfalt vermissen. „Es braucht daher eine gesamtgesellschaftliche Anstrengung, um junge Menschen in ihren persönlichen Kompetenzen ,auf das Leben‘ vorzubereiten“, sagt Brandes.

MINT-Interesse verpufft im Klassenzimmer

Bei den Defiziten auf der fachlichen Seite sieht Schmidt indes die Politik in der Pflicht. „Eine in unserem Auftrag durchgeführte Allensbach-Studie hat jüngst gezeigt, dass das Interesse für Technik und Naturwissenschaften in der jungen Generation nicht nur stark vorhanden ist, sondern auch als enorm wichtig für die Zukunft unserer Gesellschaft wahrgenommen wird. Dies beobachten wir auch auf der IdeenExpo, wo sich in diesem Jahr mehr als 425.000 junge Menschen über Berufe in den MINT-Bereichen informiert haben.“ Dieses Interesse scheine in der Schule allerdings regelrecht zu verpuffen. „Die Politik muss dafür sorgen, dass die MINT-Fächer deutlich attraktiver werden, vor allem für junge Frauen. Denn in dieser Gruppe gibt es noch viel ungenutztes Potenzial“, so Schmidt.

Eine Ausbildungsgarantie, wie sie die Ampel-Regierung in Berlin jüngst wieder ins Gespräch gebracht hat, sei jedoch der falsche Weg, manht Schmidt. Dieser Meinung stimmen auch 94 Prozent der Betriebe zu. Denn durch das Angebot der staatlichen Ausbildung würde eine neue Konkurrenz geschaffen, für die sich die jungen Menschen entscheiden könnten. „Eine Ausbildungsgarantie wird keine Entlastung bringen, sondern nur dafür sorgen, dass noch mehr Stellen unbesetzt bleiben“, kritisiert Schmidt.

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