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31. August 2022

FDP-Bundespolitiker Christian Dürr zu Gast bei Unternehmer Hildesheim

Der FDP-Bundesfraktionsvorsitzende Christian Dürr war zu Gast bei Unternehmer Hildesheim. Foto: Schmid

"Lassen Sie mich eines sagen", beginnt Christian Dürr seine kurze Ansprache. "Der Krieg in der Ukraine war der Auslöser, aber nicht die Ursache für die problematische makroökonomische Lage, in der wir uns jetzt befinden. Die Herausforderungen waren schon vorher da." Natürlich spricht der Fraktionsvorsitzende der FDP im Bund in erster Linie von der Energiekrise. Denn diese treibt die Unternehmer im Publikum, die auf Einladung des Partnerverbands Unternehmer Hildesheim an diesem Abend in die Bischofsmühle gekommen sind, am stärksten um.

Aus Dürrs Sicht war die Energiekrise zumindest für Deutschland absehbar, denn: "Es ist nicht klug, als viertgrößte Volkswirtschaft der Welt, die auf Energiesicherheit und Verlässlichkeit der Märkte angewiesen ist, über 15 bis 20 Jahre Entscheidungen zu treffen, was man alles nicht machen will." Konkret meint er die Beschlüsse der Ära Merkel, erst aus der Atomkraft und dann aus der Kohlekraft auszusteigen, ohne zuvor eine ausreichende Menge an Alternativquellen geschaffen zu haben. "Was wir zurzeit an den Energiemärkten sehen, kommt mir vor wie ein Gummiband, das über Jahre gedehnt wurde und nun gerissen ist - zur Überraschung der Verantwortlichen." 

Gaspreise ziehen Strompreise mit in die Höhe

Vor allem bei der Gasversorgung zeige sich nun eine deutliche Knappheit. "Eine Ausweitung der Kapazitäten ist dringend nötig, um diese dramatische Situation zu entspannen", sagt Dürr. Er sprach sich daher dafür aus, die verbliebenen drei Atomkraftwerke mindestens bis in nächste Jahr laufen zu lassen und weitere Kohlekraftwerke wieder ans Netz zu bringen. Zudem müsse der Strommarkt dringend neu geregelt werden. Denn der Preis für die Kilowattstunde Strom richtet sich bislang nach dem teuersten Anbieter. Und das sind derzeit die Gaskraftwerke. Dadurch komme es zu absurden Preisen, mit dramatischen Folgen für die Volkswirtschaft. "Die Märkte sind außer Rand und Band, deshalb brauchen wir jetzt pragmatische, unbürokratische Lösungen", sagte Dürr. 

Wie dramatisch die Lage inzwischen ist, schildern mehrere Unternehmer. Einer von ihnen ist Jürgen Schlote, Geschäftsführer des Automobilzulieferers Schlote in Harsum. Durch die extrem gestiegenen Strompreise hat er mittlerweile Mehrkosten von 2,4 Millionen Euro im Monat. Wie er diese Belastung noch stemmen soll, ist Schlote schleierhaft. "Es ist Aufgabe der Regierung, das Land mit bezahlbarer Energie zu versorgen - und dafür brauchen wir jetzt ein klares Signal!"

Kernschmelze der Industrie muss verhindert werden

 Auch Dr. Volker Schmidt, Hauptgeschäftsführer der Verbände, hatte in seiner Begrüßung von den extremen Mehrbelastungen der Unternehmen durch die exorbitant gestiegenen Preise für Strom und Gas berichtet. "Vergangene Woche rief mich ein Unternehmer an, der sich am Spotmarkt mit Strom eindeckt. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum muss er jetzt das Sechsfache bezahlen." Diese Kosten könne kein Unternehmen lange durchhalten. "Wir müssen jetzt kurzfristig den Energiepreisschock abfedern, mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln, koste es, was es wolle, damit wir eine Kernschmelze der Industrie und der Lieferketten zu vermeiden helfen." 

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