Es geht spürbar aufwärts: Nach einer Pause im vergangenen Jahr wegen der Coronapandemie diskutierten beim Fachkongress Industrie digital 2021 wieder rund 150 Gäste über den Fortschritt der Digitalisierung in Wirtschaft und Gesellschaft.

Video: Industrie digital 2021

„Ich finde es fantastisch, dass wir uns heute wieder live und in Farbe sehen können. Das haben wir in den vergangenen anderthalb Jahren doch schmerzlich vermisst“: Mit diesen Worten eröffnete Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann die siebte Ausgabe von Industrie digital, dem Fachkongress für die Digitalisierung in der Wirtschaft. Im vergangenen Jahr musste der Kongress wegen der Coronapandemie kurzfristig abgesagt werden. In diesem Jahr war es den Veranstaltern von NiedersachsenMetall, Digitalagentur und Wirtschaftsministerium nun möglich, wieder 150 Gäste im Festsaal des Schlosses Herrenhausen zu begrüßen. Der Andrang war im Vorfeld deutlich größer gewesen, doch zum Bedauern der Veranstalter mussten die Plätze durch die Corona-Pandemie dieses Mal begrenzt werden.

In drei Sessions mit insgesamt neun renommierten Speakern aus unterschiedlichen Unternehmen sowie dem Keynote-Speaker Carl Otto Künnecke tauschten sich Redner und Teilnehmer über den aktuellen Stand der Digitalisierung in Niedersachsen aus. Wie groß war der Push, den die Coronakrise der Digitalisierung gegeben hat? Welche Lehren haben wir daraus gezogen? Und wie geht es nun weiter? Diese Kernfragen standen im Mittelpunkt der Diskussionen.

„Vieles hat sich in den vergangenen Jahren rasant verändert, in den Unternehmen und auch bei den Menschen im Land“, bilanziert Althusmann. Die Auseinandersetzung mit der digitalen Transformation habe im automobilgeprägten Niedersachsen nicht erst mit Corona begonnen. Doch durch Corona habe sie einen großen Schub bekommen. „Corona wird nicht die letzte Krise sein, die wir meistern müssen. Aber sie hat gezeigt, wie wichtig es ist, dass wir digitale Technologien wie selbstverständlich nutzen können, um den Anschluss nicht zu verlieren“, sagt der Minister. Die Beschleunigung der Digitalisierung bleibe daher die Maßgabe, um weiter wettbewerbsfähig zu sein.

Fachkräftemangel ist Nadelöhr

Doch so wie Corona ungeahnte Potenziale bei der Digitalisierung freigesetzt hat, so hat die Krise auch die aktuellen Grenzen klar umrissen und aufgezeigt, wo Handlungsbedarf besteht. So machte Dr. Volker Schmidt, Hauptgeschäftsführer von NiedersachsenMetall, deutlich, dass die niedersächsische Wirtschaft bereits erneut vor riesigen Aufgaben stehe. „Niedersachsens Wirtschaftskraft beruht vor allem auf starken, mittelständischen Betrieben, die auch und gerade außerhalb der Ballungsräume angesiedelt sind. Diese Unternehmen sind fast immer familiengeführt, sehr stark in der Region verwurzelt und denken generationenübergreifend.“ Diesen Unternehmen falle die Implementierung digitaler Geschäftsmodelle nicht leicht. Begründung: der Fachkräftemangel. „Ein Beispiel: Mehr als die Hälfte aller kleinen und mittelständischen Unternehmen haben keine IT-Fachkräfte bei sich beschäftigt“, sagt Schmidt. „Wer aber keine IT-Kompetenzen hat, dem fällt es erfahrungsgemäß sehr schwer, den erforderlichen Weiterbildungsbedarf in puncto Digitalisierung zu identifizieren und zu organisieren.“

Einer der Gründe, warum X4B ins Leben gerufen wurde, Beratungsfirma und 100-prozentige Tochter von NiedersachsenMetall. „X4B steht den Unternehmen bei digitalen Lösungen zur Seite: mit Schulungen, individueller Beratung und Best-Practice-Beispielen“, sagt Schmidt. Das Besondere: in den Führungsgremien sitzen ausnahmslos Unternehmer. „Die wissen genau, wo der Schuh drückt und wie das Beratungsprofil von X4B auszusehen hat.“

Kreativität und den Mut, neue Wege zu gehen

Auch bei Industrie digital stehen Best-Practice-Beispiele im Mittelpunkt. Carl Otto Künnecke, Geschäftsführer der Otto Künnecke GmbH, beschrieb anschaulich, wie sich durch einfache Ideen und Digitalisierung individuell angepasste, virtuelle Betriebsführungen realisieren lassen. Marco Ivers von kurts toolbox GmbH, Jan Schoenmakers von Hase & Igel GmbH und Dr. Peter Siegle von der Veekim AG diskutierten über neue Lösungswege im digitalen Vertrieb und in der Logistik. Diskutiert wurde auch die Vereinbarkeit von Robotern mit einem hohen Maß individueller Fertigung. „Der Kongress hat gezeigt, dass wir jetzt und in Zukunft vor allem zwei Dinge brauchen: Kreativität und den Mut, neue Wege zu gehen. Dass wir dazu in der Lage sind, das hat diese Veranstaltung eindrucksvoll unter Beweis gestellt“, sagt Schmidt.

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